Der Drewitzer See liegt mitten in Mecklenburg-Vorpommern und gehört zur Müritzer Seenplatte. Für Reisende aus Berlin ist er in rund einer Stunde und vierzig Minuten bequem erreichbar. Auf dem gesamten, 650 Hektar grossen See steht genau ein einziges Gebäude: die ehemalige Jagdhütte von Erich Honecker. Von dort aus brach er mit geladenen Gästen zu seinen Jagd- und Angelausflügen auf. Unbefugten blieb der Zutritt verwehrt. Genau diesem Umstand verdankt der See seinen heutigen Zustand als nahezu unberührtes Angelparadies. Das gesamte Areal trägt heute den Status eines Naturschutzgebiets, und Motorboote sind auf dem See nicht gestattet.
Wer lebt im Drewitzer See?
Im heutigen Viverde Hotel, das in der ehemaligen „Hütte" untergebracht ist, beginnt für Angler eine Reise in eine besondere Welt. Was den in der Eiszeit entstandenen Drewitzer See auszeichnet: Er besitzt keinerlei Verbindung zu den zahlreichen ihn umgebenden Gewässern. Diese Isolation lässt Flora und Fauna in vollkommener Ruhe gedeihen. Das Wasser ist glasklar und erreicht Tiefen von bis zu 33 m. Das Beuteangebot ist beeindruckend: Stinte, Rotfeder, grosse Maräne, Brassen und Rotauge bevölkern den See in grosser Zahl, dazu möglicherweise noch weitere Arten. Hecht und Egli fühlen sich bei diesem Angebot sichtlich wohl — und genau wegen dieser beiden Räuber lohnt sich der Weg hierher.
Es geht los: Boot mieten
Die ersten zwei Angeltage verliefen zäh. Die Fische zeigten sich schwer zu überlisten, der Fang blieb sporadisch. Dann, an einem Montag nach dem Frühstück, bestiegen wir das Ruderboot des Hotels und steuerten zielstrebig in Richtung der sogenannten „Vogelinsel". Diese kleine Insel, auf der geschützte Vögel brüten, liegt etwa in der Mitte des Sees. Rund 50 m südöstlich davon erstrecken sich weitläufige Krautfelder in Wassertiefen zwischen 1,5 und 4 m. Dort angekommen, machten wir uns bereit für das, wofür wir gekommen waren.
Unsere Ruten und Köder
Daniel hatte sich eine neue Rute zugelegt: eine Berkley Urban-Camo mit 7/28g Wurfgewicht und 1,95 m Länge, eine Rute mit mittlerer Aktion. Dieser Tag sollte ihr erster richtiger Praxistest werden. An ein 40 cm langes Hartmonofilvorfach hatte Daniel einen 12 cm langen, dunkelbraunen Fox Quiver Shad geknüpft. Sein Hauptziel: Hecht. Ich griff zur Crypton Shotgun LM 270 von Quantum und überlegte, welcher Köder zu den Bedingungen passte. Für mich entscheidet bei der Köderauswahl immer das Wetter und die damit verbundene Wasserfarbe.
Generell ziehe ich kleinere Gummiköder vor. Als ich ihn im Köderkasten entdeckte, stand meine Entscheidung sofort fest: ein Lunker City Fin-S-Fish, 10,2 cm, in der Farbe Pumpkinseed/Chartreuse. Ich wollte Daniel eine kleine Wette anbieten, dass ich damit fangen würde — doch er war selbst zu überzeugt von seiner eigenen Wahl, um darauf einzugehen.
Erfolgreich: Unser Fang
Der erste Wurf war kaum im Wasser, da hatte ich auch schon den ersten Egli am Haken (26 cm). Nach Massnehmen und dem obligatorischen Foto durfte er zurück in sein Element. Daniel und ich setzen unsere Fänge grundsätzlich wieder frei. Noch bevor ich neu auswerfen konnte, bog sich Daniels Rute. Als erfahrener Angler erkannte er am Charakter des Bisses sofort den Hecht. Bei Hechten legt er besonderen Wert darauf, den Fisch kontrolliert auspowern zu lassen, um ihn anschliessend so schonend wie möglich — mit blossen Händen — ins Boot zu nehmen. So geschehen.
Die Hechte des Drewitzer Sees tragen eine auffallend goldene Färbung und sind für ihre Grösse vergleichsweise kräftig gebaut. Nach diesen ereignisreichen ersten zehn Minuten war klar: Dieser Tag würde aussergewöhnlich werden. In den folgenden zwei Stunden kamen zusammen etwa 6 Hechte und 5 Egli ans Boot, alle ordentlich, wenn auch keine Riesenexemplare.
Für mich persönlich war es dennoch ein besonderer Moment: Ich konnte meinen persönlichen Rekord einstellen. Als Anfängerin in meiner zweiten richtigen Angelsaison hatte ich im Vorjahr auf dem Berliner Schlachtensee einen Hecht von 67 cm gefangen. Diesmal übertraf ich diese Marke um 2 cm. Wer darüber lächelt, sei es — die Freude darüber ist trotzdem real.
Rückkehr im Regen
Als der Regen urplötzlich einsetzte, befanden wir uns natürlich genau am gegenüberliegenden Ende des Sees. Ohne Motor bedeutete das: Zähne zusammenbeissen und kräftig in die Ruder legen — zumindest für Daniel.
Da unsere Lieblingssspots auf dem Rückweg lagen, warfen wir natürlich noch das eine oder andere Mal aus. Das Schilf um uns herum rauschte mittlerweile laut im Wind, die dunklen Wolken schienen zum Greifen nah, und die Strömung arbeitete genau gegen uns. Doch die Aussicht auf warmen Schokokuchen mit Eis sowie Rehrücken im Hotel liess uns die letzte Etappe zufrieden und müde zurückrudern. Schlechtes Wetter gibt es nicht — nur schlechtes Essen!






























